Zweidimensionale Zufallsgrößen

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# ÜBERBLICK ZUM VIERTEN HAUPTKAPITEL #


Nun werden Zufallsgrößen mit statistischen Bindungen behandelt und anhand typischer Beispiele verdeutlicht. 

Nach der allgemeinen Beschreibung zweidimensionaler Zufallsgrößen wenden wir uns folgenden Beschreibungsgrößen zu:

  1. der Autokorrelationsfunktion  (AKF), 
  2. der Kreuzkorrelationsfunktion  (KKF), 
  3. den zugehörigen Spektralfunktionen  (Leistungsdichtespektrum, Kreuzleistungsdichtespektrum).


Im Einzelnen werden behandelt:

  • die statistische Beschreibung von  »2D–Zufallsgrößen«  mit Hilfe der Verbund–WDF,
  • der Unterschied zwischen  »statistischer Abhängigkeit«  und  »Korrelation«,
  • die Klassifizierungsmerkmale  »Stationarität«  und  »Ergodizität«  stochastischer Prozesse,
  • die Definitionen von  »Autokorrelationsfunktion«  $\rm (AKF)$  und  »Leistungsdichtespektrum«  $\rm (LDS)$,
  • die Definitionen von  »Kreuzkorrelationsfunktion«  und  »Kreuzleistungsdichtespektrum«,
  • die numerische Ermittlung all dieser Größen im zwei– und mehrdimensionalen Fall.


Weitere Informationen zum Thema „Zweidimensionale Zufallsgrößen” sowie Aufgaben, Simulationen und Programmierübungen finden Sie im

  • Kapitel 5:   Zweidimensionale Zufallsgrößen (Programm „zwd”)
  • Kapitel 9:   Stochastische Prozesse (Programm „sto”)


des Praktikums „Simulationsmethoden in der Nachrichtentechnik”.  Diese (ehemalige) LNT-Lehrveranstaltung an der TU München basiert auf


Eigenschaften und Beispiele


Als Überleitung zu den  Korrelationsfunktionen  betrachten wir nun zwei Zufallsgrößen  $x$  und  $y$,  zwischen denen statistische Abhängigkeiten bestehen. 

Jede der beiden Zufallsgrößen kann für sich alleine beschrieben werden mit den eingeführten Kenngrößen


$\text{Definition:}$  Zur Beschreibung der Wechselbeziehungen zwischen zwei Größen  $x$  und  $y$  ist es zweckmäßig,  die beiden Komponenten zu einer  zweidimensionalen Zufallsgröße  $(x, y)$  zusammenzufassen.

  • Die Einzelkomponenten können Signale sein wie der Real– und Imaginärteil eines phasenmodulierten Signals.
  • Aber es gibt auch in anderen Bereichen eine Vielzahl von 2D–Zufallsgrößen,  wie das folgende Beispiel zeigen soll.


$\text{Beispiel 1:}$  Das linke Diagramm stammt von dem Zufallsexperiment  „Werfen mit zwei Würfeln”.  Nach rechts aufgetragen ist die Augenzahl des ersten Würfels  $(W_1)$,  nach oben die Summe  $S$  beider Würfel.  Die beiden Komponenten sind hier jeweils diskrete Zufallsgrößen,  zwischen denen statistische Bindungen bestehen:

Zwei Beispiele statistisch abhängiger Zufallsgrößen
  • Ist  $W_1 = 1$,  so kann  $S$  nur Werte zwischen  $2$  und  $7$  annehmen und zwar mit jeweils gleicher Warscheinlichkeit.
  • Dagegen sind bei  $W_1 = 6$  für  $S$  alle Werte zwischen  $7$  und  $12$  möglich,  ebenfalls mit gleicher Warscheinlichkeit.


In der rechten Grafik sind die Maximaltemperaturen der  $31$ Tage im Mai 2002 von München (nach oben) und der Zugspitze (nach rechts) gegenübergestellt.  Beide Zufallsgrößen sind wertkontinuierlich:

  • Obwohl die Messpunkte etwa  $\text{100 km}$  auseinander liegen und es auf der Zugspitze aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen  $($knapp  $3000$  gegenüber  $520$  Meter$)$  im Mittel um etwa  $20$  Grad kälter ist als in München,  erkennt man doch eine gewisse statistische Abhängigkeit zwischen den beiden Zufallsgrößen  ${\it Θ}_{\rm M}$  und  ${\it Θ}_{\rm Z}$.
  • Ist es in München warm,  dann sind auch auf der Zugspitze eher angenehme Temperaturen zu erwarten.  Der Zusammenhang ist aber nicht deterministisch:  Der kälteste Tag im Mai 2002 war in München ein anderer als der kälteste Tag auf der Zugspitze.

Verbundwahrscheinlichkeitsdichtefunktion


Wir beschränken uns hier meist auf kontinuierliche Zufallsgrößen. 

  • Manchmal wird jedoch auch auf die Besonderheiten zweidimensionaler diskreter Zufallsgrößen genauer eingegangen. 
  • Die meisten der vorher für eindimensionale Zufallsgrößen definierten Kenngrößen kann man problemlos auf zweidimensionale Größen erweitern.

$\text{Definition:}$  Die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion der zweidimensionalen Zufallsgröße an der Stelle  $(x_\mu, y_\mu)$   ⇒   Verbundwahrscheinlichkeitsdichtefunktion  ist eine Erweiterung der eindimensionalen WDF  $(∩$  kennzeichnet die logische UND-Verknüpfung$)$:

$$f_{xy}(x_\mu, \hspace{0.1cm}y_\mu) = \lim_{\left.{\Delta x\rightarrow 0 \atop {\Delta y\rightarrow 0} }\right.}\frac{ {\rm Pr}\big [ (x_\mu - {\rm \Delta} x/{\rm 2} \le x \le x_\mu + {\rm \Delta} x/{\rm 2}) \cap (y_\mu - {\rm \Delta} y/{\rm 2} \le y \le y_\mu +{\rm \Delta}y/{\rm 2}) \big] }{ {\rm \Delta} \ x\cdot{\rm \Delta} y}.$$

$\rm Hinweis$:

  • Ist die 2D–Zufallsgröße diskret, so muss die Definition geringfügig modifiziert werden:
  • Bei den unteren Bereichsgrenzen ist dann gemäß der Seite  Verteilungsfunktion bei diskreten Zufallsgrößen  das „≤”–Zeichen durch das „<”–Zeichen zu ersetzen.


Anhand dieser (Verbund)–WDF  $f_{xy}(x, y)$  werden auch statistische Abhängigkeiten innerhalb der zweidimensionalen Zufallsgröße  $(x, y)$  vollständig erfasst im Gegensatz zu den beiden eindimensionalen Dichtefunktionen   ⇒   Randwahrscheinlichkeitsdichtefunktionen:

$$f_{x}(x) = \int _{-\infty}^{+\infty} f_{xy}(x,y) \,\,{\rm d}y ,$$
$$f_{y}(y) = \int_{-\infty}^{+\infty} f_{xy}(x,y) \,\,{\rm d}x .$$

Diese beiden Randdichtefunktionen  $f_x(x)$  und  $f_y(y)$

  • liefern lediglich statistische Aussagen über die Einzelkomponenten  $x$  bzw.  $y$,
  • nicht jedoch über die Bindungen zwischen diesen.


Zweidimensionale Verteilungsfunktion


$\text{Definition:}$  Die  2D-Verteilungsfunktion  ist ebenso wie die 2D-WDF lediglich eine sinnvolle Erweiterung der  eindimensionalen Verteilungsfunktion  (VTF):

$$F_{xy}(r_{x},r_{y}) = {\rm Pr}\big [(x \le r_{x}) \cap (y \le r_{y}) \big ] .$$


Es ergeben sich folgende Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der  "1D-VTF"  und der  "2D-VTF":

  • Der Funktionalzusammenhang zwischen zweidimensionaler WDF und zweidimensionaler VTF ist wie im eindimensionalen Fall durch die Integration gegeben,  aber nun in zwei Dimensionen.  Bei kontinuierlichen Zufallsgrößen gilt:
$$F_{xy}(r_{x},r_{y})=\int_{-\infty}^{r_{y}} \int_{-\infty}^{r_{x}} f_{xy}(x,y) \,\,{\rm d}x \,\, {\rm d}y .$$
  • Umgekehrt lässt sich die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion aus der Verteilungsfunktion durch partielle Differentiation nach  $r_{x}$  und  $r_{y}$  angeben:
$$f_{xy}(x,y)=\frac{{\rm d}^{\rm 2} F_{xy}(r_{x},r_{y})}{{\rm d} r_{x} \,\, {\rm d} r_{y}}\Bigg|_{\left.{r_{x}=x \atop {r_{y}=y}}\right.}.$$
  • Bezüglich der Verteilungsfunktion  $F_{xy}(r_{x}, r_{y})$  gelten folgende Grenzwerte:
$$F_{xy}(-\infty,-\infty) = 0,$$
$$F_{xy}(r_{\rm x},+\infty)=F_{x}(r_{x} ),$$
$$F_{xy}(+\infty,r_{y})=F_{y}(r_{y} ) ,$$
$$F_{xy} (+\infty,+\infty) = 1.$$
  • Im Grenzfall  $($unendlich große  $r_{x}$  und  $r_{y})$  ergibt sich demnach für die 2D-VTF der Wert  $1$.  Daraus erhält man die  Normierungsbedingung  für die 2D-WDF:
$$\int_{-\infty}^{+\infty} \int_{-\infty}^{+\infty} f_{xy}(x,y) \,\,{\rm d}x \,\,{\rm d}y=1 . $$

$\text{Fazit:}$  Beachten Sie den signifikanten Unterschied zwischen eindimensionalen und zweidimensionalen Zufallsgrößen:

  • Bei eindimensionalen Zufallsgrößen ergibt die Fläche unter der WDF stets den Wert  $1$.
  • Bei zweidimensionalen Zufallsgrößen ist das WDF-Volumen immer gleich  $1$.

WDF und VTF bei statistisch unabhängigen Komponenten


Bei statistisch unabhängigen Komponenten  $x$  und  $y$  gilt für die Verbundwahrscheinlichkeit nach den elementaren Gesetzmäßigkeiten der Statistik, falls  $x$  und  $y$  wertkontinuierlich sind:

$${\rm Pr} \big[(x_{\rm 1}\le x \le x_{\rm 2}) \cap( y_{\rm 1}\le y\le y_{\rm 2})\big] ={\rm Pr} (x_{\rm 1}\le x \le x_{\rm 2}) \cdot {\rm Pr}(y_{\rm 1}\le y\le y_{\rm 2}) .$$

Hierfür kann bei unabhängigen Komponenten auch geschrieben werden:

$${\rm Pr} \big[(x_{\rm 1}\le x \le x_{\rm 2}) \cap(y_{\rm 1}\le y\le y_{\rm 2})\big] =\int _{x_{\rm 1}}^{x_{\rm 2}}f_{x}(x) \,{\rm d}x\cdot \int_{y_{\rm 1}}^{y_{\rm 2}} f_{y}(y) \, {\rm d}y.$$

$\text{Definition:}$  Daraus folgt,  dass bei  statistischer Unabhängigkeit  folgende Bedingung bezüglich der 2D–Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion erfüllt sein muss:

$$f_{xy}(x,y)=f_{x}(x) \cdot f_y(y) .$$


$\text{Beispiel 2:}$  In der Grafik sind die Momentanwerte einer zweidimensionalen Zufallsgröße als Punkte in der  $(x, y)$–Ebene eingetragen.

  • Bereiche mit vielen Punkten, die dementsprechend dunkel wirken, kennzeichnen große Werte der 2D–WDF  $f_{xy}(x, y)$.
  • Dagegen besitzt die Zufallsgröße  $(x, y)$  in eher hellen Bereichen nur verhältnismäßig wenig Anteile.
Statistisch unabhängige Komponenten:  $f_{xy}(x,y)$, $f_{x}(x)$  und $f_{y}(y)$


Die Grafik kann wie folgt interpretiert werden:

  • Die Randwahrscheinlichkeitsdichten  $f_{x}(x)$  und  $f_{y}(y)$  lassen bereits erkennen,  dass sowohl  $x$  als auch  $y$  gaußähnlich und mittelwertfrei sind,  und dass die Zufallsgröße  $x$  eine größere Streuung als  $y$  aufweist.
  • $f_{x}(x)$  und  $f_{y}(y)$  liefern jedoch keine Informationen darüber, ob bei der Zufallsgröße  $(x, y)$  statistische Bindungen bestehen oder nicht.
  • Anhand der 2D-WDF  $f_{xy}(x,y)$  erkennt man aber,  dass es hier zwischen den beiden Komponenten  $x$  und  $y$  keine statistischen Bindungen gibt.
  • Bei statistischer Unabhängigkeit liefert jeder Schnitt durch  $f_{xy}(x, y)$  parallel zur  $y$-Achse eine Funktion,  die formgleich mit der Rand–WDF  $f_{y}(y)$  ist.  Ebenso sind alle Schnitte parallel zur  $x$-Achse formgleich mit  $f_{x}(x)$.
  • Diese Tatsache ist gleichbedeutend mit der Aussage,  dass in diesem Beispiel  $f_{xy}(x, y)$  als Produkt der beiden Randwahrscheinlichkeitsdichten dargestellt werden kann:  
$$f_{xy}(x,y)=f_{x}(x) \cdot f_y(y) .$$

WDF und VTF bei statistisch abhängigen Komponenten


Bestehen statistische Bindungen zwischen  $x$  und  $y$, so liefern unterschiedliche Schnitte parallel zur  $x$– bzw.  $y$–Achse jeweils unterschiedliche, nicht formgleiche Funktionen.  In diesem Fall lässt sich die Verbund–WDF natürlich auch nicht als Produkt der beiden (eindimensionalen) Randwahrscheinlichkeitsdichten beschreiben.

Statistisch abhängige Komponenten:  $f_{xy}(x,y)$, $f_{x}(x)$,  $f_{y}(y)$

$\text{Beispiel 3:}$  Die Grafik zeigt die Momentanwerte einer zweidimensionalen Zufallsgröße in der  $(x, y)$–Ebene, wobei nun im Gegensatz zum  $\text{Beispiel 2}$  zwischen  $x$  und  $y$  statistische Bindungen bestehen.

  • Die 2D–Zufallsgröße nimmt im blau eingezeichneten Parallelogramm alle 2D–Werte mit gleicher Wahrscheinlichkeit an.
  • Außerhalb des Parallelogramms sind keine Werte möglich.


Man erkennt aus dieser Darstellung:

  1. Die Integration über $f_{xy}(x, y)$  parallel zur  $x$–Achse führt zur dreieckförmigen Randdichte $f_{y}(y)$,  die Integration parallel zur  $y$–Achse zur trapezförmigen WDF $f_{x}(x)$.
  2. Aus der 2D-WDF $f_{xy}(x, y)$  ist bereits zu erahnen,  dass für jeden  $x$–Wert im statistischen Mittel ein anderer  $y$–Wert zu erwarten ist.
  3. Das bedeutet,  dass hier die Komponenten  $x$  und  $y$  statistisch voneinander abhängen.

Erwartungswerte zweidimensionaler Zufallsgrößen


Ein Sonderfall der statistischen Abhängigkeit ist die  "Korrelation".

$\text{Definition:}$  Unter  Korrelation  versteht man eine  "lineare Abhängigkeit"  zwischen den Einzelkomponenten  $x$  und  $y$.

  • Korrelierte Zufallsgrößen sind damit stets auch statistisch abhängig.
  • Aber nicht jede statistische Abhängigkeit bedeutet gleichzeitig eine Korrelation.


Zur quantitativen Erfassung der Korrelation verwendet man verschiedene Erwartungswerte der 2D-Zufallsgröße  $(x, y)$.

Diese sind analog definiert zum eindimensionalen Fall

  • gemäß  Kapitel 2  (bei wertdiskreten Zufallsgrößen)
  • bzw.  Kapitel 3  (bei wertkontinuierlichen Zufallsgrößen):


$\text{Definition:}$  Für die (nichtzentrierten)  Momente  gilt die Beziehung:

$$m_{kl}={\rm E}\big[x^k\cdot y^l\big]=\int_{-\infty}^{+\infty}\hspace{0.2cm}\int_{-\infty}^{+\infty} x\hspace{0.05cm}^{k} \cdot y\hspace{0.05cm}^{l} \cdot f_{xy}(x,y) \, {\rm d}x\, {\rm d}y.$$

Die beiden linearen Mittelwerte sind somit   $m_x = m_{10}$  und   $m_y = m_{01}.$


$\text{Definition:}$  Die auf  $m_x$  bzw.  $m_y$  bezogenen  Zentralmomente  lauten:

$$\mu_{kl} = {\rm E}\big[(x-m_{x})\hspace{0.05cm}^k \cdot (y-m_{y})\hspace{0.05cm}^l\big] .$$

In dieser allgemein gültigen Definitionsgleichung sind die Varianzen  $σ_x^2$  und  $σ_y^2$  der zwei Einzelkomponenten durch  $\mu_{20}$  bzw.  $\mu_{02}$  mit enthalten.


$\text{Definition:}$  Besondere Bedeutung besitzt die  Kovarianz  $(k = l = 1)$,  die ein Maß für die lineare statistische Abhängigkeit zwischen den Zufallsgrößen  $x$  und  $y$  ist:

$$\mu_{11} = {\rm E}\big[(x-m_{x})\cdot(y-m_{y})\big] = \int_{-\infty}^{+\infty} \int_{-\infty}^{+\infty} (x-m_{x}) \cdot (y-m_{y})\cdot f_{xy}(x,y) \,{\rm d}x \, {\rm d}y .$$

Im Folgenden bezeichnen wir die Kovarianz  $\mu_{11}$  teilweise auch mit  $\mu_{xy}$,  falls sich die Kovarianz auf die Zufallsgrößen  $x$  und  $y$  bezieht.


Anmerkungen:

  • Die Kovarianz  $\mu_{11}=\mu_{xy}$  hängt wie folgt mit dem nichtzentrierten Moment  $m_{11} = m_{xy} = {\rm E}\big[x · y\big]$ zusammen:
$$\mu_{xy} = m_{xy} -m_{x }\cdot m_{y}.$$
  • Diese Gleichung ist für numerische Auswertungen enorm vorteilhaft,  da  $m_{xy}$,  $m_x$  und  $m_y$  aus den Folgen  $〈x_v〉$  und  $〈y_v〉$  in einem einzigen Durchlauf gefunden werden können.
  • Würde man dagegen die Kovarianz  $\mu_{xy}$  entsprechend der oberen Definitionsgleichung berechnen,  so müsste man in einem ersten Durchlauf die Mittelwerte  $m_x$  und  $m_y$  ermitteln und könnte dann erst in einem zweiten Durchlauf den Erwartungswert  ${\rm E}\big[(x - m_x) · (y - m_y)\big]$  berechnen.


$\text{Beispiel 4:}$  In den beiden ersten Zeilen der Tabelle sind die jeweils ersten Elemente zweier Zufallsfolgen  $〈x_ν〉$  und  $〈y_ν〉$  eingetragen.  In der letzten Zeile sind die jeweiligen Produkte  $x_ν · y_ν$  angegeben.

Beispielhafte 2D-Erwartungswerte
  • Durch Mittelung über jeweils zehn Folgenelemente erhält man 
$$m_x =0.5,\ \ m_y = 1, \ \ m_{xy} = 0.69.$$
  • Daraus ergibt sich direkt der Wert für die Kovarianz:
$$\mu_{xy} = 0.69 - 0.5 · 1 = 0.19.$$


Ohne Kenntnis der Gleichung  $\mu_{xy} = m_{xy} - m_x · m_y$  hätte man zunächst im ersten Durchlauf die Mittelwerte  $m_x$  und  $m_y$  ermitteln müssen,
um dann in einem zweiten Durchlauf die Kovarianz  $\mu_{xy}$  als Erwartungswert des Produkts der mittelwertfreien Größen bestimmen zu können.

Korrelationskoeffizient


Bei statististischer Unabhängigkeit der beiden Komponenten  $x$  und  $y$  ist die Kovarianz  $\mu_{xy} \equiv 0$.  Dieser Fall wurde bereits im  $\text{Beispiel 2}$  auf der Seite  WDF und VTF bei statistisch unabhängigen Komponenten  betrachtet.

  • Das Ergebnis  $\mu_{xy} = 0$  ist aber auch bei statistisch abhängigen Komponenten  $x$  und  $y$  möglich,  nämlich dann,  wenn diese unkorreliert, also  "linear unabhängig"  sind.
  • Die statistische Abhängigkeit ist dann nicht von erster,  sondern von höherer Ordnung,  zum Beispiel entsprechend der Gleichung  $y=x^2.$


Man spricht von  vollständiger Korrelation, wenn die (deterministische) Abhängigkeit zwischen  $x$  und  $y$  durch die Gleichung  $y = K · x$  ausgedrückt wird. Dann ergibt sich für die Kovarianz:

  • $\mu_{xy} = σ_x · σ_y$  bei positivem  $K$–Wert,
  • $\mu_{xy} = - σ_x · σ_y$  bei negativem  $K$–Wert.


Deshalb verwendet man häufig als Beschreibungsgröße anstelle der Kovarianz den so genannten Korrelationskoeffizienten.

$\text{Definition:}$  Der  Korrelationskoeffizient  ist der Quotient aus der Kovarianz  $\mu_{xy}$  und dem Produkt der Effektivwerte  $σ_x$  und  $σ_y$  der beiden Komponenten:

$$\rho_{xy}=\frac{\mu_{xy} }{\sigma_x \cdot \sigma_y}.$$


Der Korrelationskoeffizient  $\rho_{xy}$  weist folgende Eigenschaften auf:

  • Aufgrund der Normierung gilt stets  $-1 \le ρ_{xy} ≤ +1$.
  • Sind die beiden Zufallsgrößen  $x$  und  $y$  unkorreliert,  so ist  $ρ_{xy} = 0$.
  • Bei strenger linearer Abhängigkeit zwischen  $x$  und  $y$  ist  $ρ_{xy}= ±1$   ⇒   vollständige Korrelation.
  • Ein positiver Korrelationskoeffizient bedeutet,  dass bei größerem  $x$–Wert im statistischen Mittel auch  $y$  größer ist als bei kleinerem  $x$.
  • Dagegen drückt ein negativer Korrelationskoeffizient aus,  dass  $y$  mit steigendem  $x$  im Mittel kleiner wird.


Gaußsche 2D-WDF mit Korrelation

$\text{Beispiel 5:}$  Es gelten folgende Voraussetzungen:

  • Die betrachteten Komponenten  $x$  und  $y$  besitzen jeweils eine gaußförmige WDF.
  • Die beiden Streuungen sind unterschiedlich  $(σ_y < σ_x)$.
  • Der Korrelationskoeffizient beträgt  $ρ_{xy} = 0.8$.


Im Unterschied zum  Beispiel 2  mit statistisch unabhängigen Komponenten   ⇒   $ρ_{xy} = 0$  $($trotz  $σ_y < σ_x)$  erkennt man, dass hier bei größerem  $x$–Wert im statistischen Mittel auch  $y$  größer ist als bei kleinerem  $x$.


Regressionsgerade


Gaußsche 2D-WDF mit Korrelationsgerade

$\text{Definition:}$  Als  Regressionsgerade  bezeichnet man die Gerade  $y = K(x)$  in der  $(x, y)$–Ebene durch den „Mittelpunkt”  $(m_x, m_y)$.  Manchmal wird diese Gerade auch  "Korrelationsgerade"  genannt.

Die Regressionsgerade besitzt folgende Eigenschaften:

  • Die mittlere quadratische Abweichung von dieser Geraden – in  $y$–Richtung betrachtet und über alle  $N$  Punkte gemittelt – ist minimal:
$$\overline{\varepsilon_y^{\rm 2} }=\frac{\rm 1}{N} \cdot \sum_{\nu=\rm 1}^{N}\; \;\big [y_\nu - K(x_{\nu})\big ]^{\rm 2}={\rm Minimum}.$$
  • Die Korrelationsgerade kann als eine Art  „statistische Symmetrieachse“  interpretiert werden. Die Geradengleichung lautet:
$$y=K(x)=\frac{\sigma_y}{\sigma_x}\cdot\rho_{xy}\cdot(x - m_x)+m_y.$$
  • Der Winkel, den die Regressionsgerade zur  $x$–Achse einnimmt, beträgt:
$$\theta_{y\hspace{0.05cm}\rightarrow \hspace{0.05cm}x}={\rm arctan}\ (\frac{\sigma_{y} }{\sigma_{x} }\cdot \rho_{xy}).$$


Durch diese Nomenklatur soll deutlich gemacht werden,  dass es sich hier um die Regression von  $y$  auf  $x$  handelt.

  • Die Regression in Gegenrichtung – also von  $x$  auf  $y$ – bedeutet dagegen die Minimierung der mittleren quadratischen Abweichung in  $x$–Richtung.
  • Das interaktive Applet  Korrelationskoeffizient und Regressionsgerade  verdeutlicht, dass sich im Allgemeinen  $($falls  $σ_y \ne σ_x)$  für die Regression von  $x$  auf  $y$  ein anderer Winkel und damit auch eine andere Regressionsgerade ergeben wird:
$$\theta_{x\hspace{0.05cm}\rightarrow \hspace{0.05cm} y}={\rm arctan}\ (\frac{\sigma_{x}}{\sigma_{y}}\cdot \rho_{xy}).$$


Aufgaben zum Kapitel


Aufgabe 4.1: Dreieckiges (x, y)-Gebiet

Aufgabe 4.1Z: Verabredung zum Frühstück

Aufgabe 4.1: Wieder Dreieckgebiet

Aufgabe 4.2Z: Korrelation zwischen $x$ und $e^x$

Aufgabe 4.3: Algebraische und Modulo-Summe

Aufgabe 4.3Z: Diracförmige 2D-WDF