Aufgaben:Aufgabe 2.5: Restredundanz bei LZW-Codierung: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:P_ID2446__Inf_A_2_5_neu.png|right|Restredundanz | [[Datei:P_ID2446__Inf_A_2_5_neu.png|right|frame|Restredundanz $r(N)$ und <br>Näherung $r\hspace{0.05cm}'(N)$ dreier Binärquellen]] | ||
Wir gehen hier von einer binären Eingangsfolge der Länge | Wir gehen hier von einer binären Eingangsfolge der Länge $N$ aus und betrachten drei verschiedene binäre Nachrichtenquellen: | ||
* | * $\rm BQ1$: Symbolwahrscheinlichkeiten $p_{\rm A} = 0.89$ und $p_{\rm B} = 0.11$, also unterschiedlich<br> ⇒ Entropie $H = 0.5\text{ bit/Quellensymbol}$ ⇒ die Quelle ist redundant. | ||
* | * $\rm BQ2$: $p_{\rm A} = p_{\rm B} = 0.5$ (gleichwahrscheinlich)<br> ⇒ Entropie $H = 1\text{ bit/Quellensymbol}$ ⇒ die Quelle ist redundanzfrei. | ||
* | * $\rm BQ3$: Hier gibt es keine konkreten Angaben zur Statistik. <br>In der Teilaufgabe '''(6)''' sollen Sie die Entropie $H$ dieser Quelle abschätzen. | ||
Für diese drei Quellen wurden per Simulation die jeweilige | Für diese drei Quellen wurden per Simulation die jeweilige Restredundanz $r(N)$ ermittelt, die nach der [[Informationstheorie/Komprimierung_nach_Lempel,_Ziv_und_Welch#Der_Lempel.E2.80.93Ziv.E2.80.93Welch.E2.80.93Algorithmus|Lempel–Ziv–Welch–Codierung]] in der Binärfolge verbleibt. | ||
eingetragen, wobei wir uns bei der Simulation auf Folgenlängen | Die Ergebnisse sind in der jeweils ersten Spalte obiger Tabelle für die Quellen | ||
*$\rm BQ1$ (gelbe Hinterlegung), | |||
*$\rm BQ2$ (grüne Hinterlegung) und | |||
*$\rm BQ3$ (blaue Hinterlegung) | |||
eingetragen, wobei wir uns bei der Simulation auf Folgenlängen $N ≤ 50000$ beschränkt haben. | |||
Die relative Redundanz der Ausgangsfolge – vereinfachend „Restredundanz” genannt – kann aus | |||
* der Länge $N$ der Eingangsfolge, | |||
* der Länge $L(N)$ der Ausgangsfolge und | |||
*der Entropie $H$ | |||
in folgender Weise berechnet werden: | in folgender Weise berechnet werden: | ||
:$$r(N) = \frac{L(N) - N \cdot H}{L(N)}= 1 - \frac{ N \cdot H}{L(N)}\hspace{0.05cm}.$$ | :$$r(N) = \frac{L(N) - N \cdot H}{L(N)}= 1 - \frac{ N \cdot H}{L(N)}\hspace{0.05cm}.$$ | ||
Hierbei ist berücksichtigt, dass bei perfekter Quellencodierung die Länge der Ausgangsfolge bis auf den Wert | Hierbei ist berücksichtigt, dass bei perfekter Quellencodierung die Länge der Ausgangsfolge bis auf den Wert $L_{\rm min} = N · H$ herabgesenkt werden könnte. | ||
*Bei nichtperfekter Quellencodierung gibt $L(n) - N · H$ die verbleibende Redundanz (mit der Pseudo–Einheit „bit”) an. | |||
*Nach Division durch $L(n)$ erhält man die relative Redundanz $r(n)$ mit dem Wertebereich zwischen Null und Eins; $r(n)$ sollte möglichst klein sein. | |||
Eine zweite Kenngröße zur Effizienzmessung der LZW–Codierung ist der | Eine zweite Kenngröße zur Effizienzmessung der LZW–Codierung ist der „Komprimierungsfaktor” $K(N)$, der als der Quotient der Längen von Ausgangs– und Eingangsfolge ebenfalls klein sein sollte: | ||
:$$K(N) = {L(N) }/{N} \hspace{0.05cm},$$ | :$$K(N) = {L(N) }/{N} \hspace{0.05cm},$$ | ||
Im [[Informationstheorie/Komprimierung_nach_Lempel,_Ziv_und_Welch#Quantitative_Aussagen_zur_asymptotischen_Optimalit.C3.A4t|Theorieteil]] wurde gezeigt, dass die Restredundanz | Im [[Informationstheorie/Komprimierung_nach_Lempel,_Ziv_und_Welch#Quantitative_Aussagen_zur_asymptotischen_Optimalit.C3.A4t|Theorieteil]] wurde gezeigt, dass die Restredundanz $r(n)$ oft durch die Funktion | ||
:$$r'(N) ={A} | :$$r\hspace{0.05cm}'(N) =\frac {A}{{\rm lg}\hspace{0.1cm}(N)}\hspace{0.5cm}{\rm mit}\hspace{0.5cm} A = 4 \cdot {r(N = 10000)} \hspace{0.05cm}.$$ | ||
\hspace{0.5cm}{\rm mit}\hspace{0.5cm} A = 4 \cdot {r(N = 10000)} | gut angenähert wird. | ||
\hspace{0.05cm}.$$ | |||
gut angenähert wird. | *Diese Näherung $r\hspace{0.05cm}'(N)$ ist für $\rm BQ1$ in der zweiten Spalte obiger Tabelle angegeben. | ||
* In den Teilaufgaben '''(4)''' und '''(5)''' sollen Sie die Approximation für die Quellen $\rm BQ2$ und $\rm BQ3$ vornehmen. | |||
''Hinweise:'' | ''Hinweise:'' | ||
*Die Aufgabe gehört zum Kapitel [[Informationstheorie/Komprimierung_nach_Lempel,_Ziv_und_Welch|Komprimierung nach Lempel, Ziv und Welch]]. | *Die Aufgabe gehört zum Kapitel [[Informationstheorie/Komprimierung_nach_Lempel,_Ziv_und_Welch|Komprimierung nach Lempel, Ziv und Welch]]. | ||
*Insbesondere wird Bezug genommen auf die Seiten [[Informationstheorie/Komprimierung_nach_Lempel,_Ziv_und_Welch# | *Insbesondere wird Bezug genommen auf die Seiten | ||
*Die Beschreibungsgrößen | :: [[Informationstheorie/Komprimierung_nach_Lempel,_Ziv_und_Welch#Restredundanz_als_Ma.C3.9F_f.C3.BCr_die_Effizienz_von_Codierverfahren|Restredrundanz als Maß für die Effizienz von Codierverfahren]], | ||
:: [[Informationstheorie/Komprimierung_nach_Lempel,_Ziv_und_Welch#Effizienz_der_Lempel.E2.80.93Ziv.E2.80.93Codierung|Effizienz der Lempel-Ziv-Codierung]] sowie | |||
:: [[Informationstheorie/Komprimierung_nach_Lempel,_Ziv_und_Welch#Quantitative_Aussagen_zur_asymptotischen_Optimalit.C3.A4t|Quantitative Aussagen zur asymptotischen Optimalität]]. | |||
*Die Beschreibungsgrößen $K(N)$ und $r(N)$ hängen deterministisch zusammen. | |||
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<quiz display=simple> | <quiz display=simple> | ||
{Mit welchem Parameter | {Mit welchem Parameter $A$ wurde die Näherung $r\hspace{0.05cm}'(N)$ der Restredundanz für die Binärquelle $\rm BQ1$ erstellt? | ||
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$A \ = $ { 1.06 3% } | $A \ = \ $ { 1.06 3% } | ||
{Wie groß muss | {Wie groß muss $N = N_2$ bei $\rm BQ1$ mindestens sein, damit die Restredundanz die Bedingung $r(N) ≈ r\hspace{0.05cm}'(N) \le 5\%$ erfüllt? | ||
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$N_{2} \ = $ { 1.58 3% } $\ \cdot 10^{21}$ | $N_{2} \ = \ $ { 1.58 3% } $\ \cdot 10^{21}$ | ||
{Wie groß muss | {Wie groß muss $N = N_3$ bei $\rm BQ1$ mindestens sein, damit der Komprimierungsfaktor $K(N)= L(N)/N$ nicht größer ist als $0.6$? | ||
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$N_{3} \ = $ { 2.29 3% } $\ \cdot 10^{6}$ | $N_{3} \ = \ $ { 2.29 3% } $\ \cdot 10^{6}$ | ||
{Bestimmen Sie nun die Redundanznäherung | {Bestimmen Sie nun die Redundanznäherung $r\hspace{0.05cm}'(N)$ für die redundanzfreie Binärquelle $\rm BQ2$, insbesondere: | ||
|type="{}"} | |type="{}"} | ||
$r'(N = 50000)\ = $ { 0.162 3% } | $r'(N = 50000)\ = \ $ { 0.162 3% } | ||
$r'(N = 10^6)\ = $ { 0.127 3% } | $r'(N = 10^6)\ = \ $ { 0.127 3% } | ||
$r'(N = 10^{12})\ = $ { 0.063 3% } | $r'(N = 10^{12})\ = \ $ { 0.063 3% } | ||
{Welche Werte liefert die Redundanznäherung | {Welche Werte liefert die Redundanznäherung $r\hspace{0.05cm}'(N)$ für die nicht näher spezifizierte Binärquelle $\rm BQ3$? Insbesondere: | ||
|type="{}"} | |type="{}"} | ||
$r'(N = 50000)\ = $ { 0.289 3% } | $r'(N = 50000)\ = \ $ { 0.289 3% } | ||
$r'(N = 10^6)\ = $ { 0.227 3% } | $r'(N = 10^6)\ = \ $ { 0.227 3% } | ||
$r'(N = 10^{12})\ = $ { 0.113 3% } | $r'(N = 10^{12})\ = \ $ { 0.113 3% } | ||
{Welche Quellenentropie | {Welche Quellenentropie $H$ könnte $\rm BQ3$ nach diesem Ergebnis besitzen? Hinweis: Es ist genau eine Antwort richtig. | ||
|type=" | |type="()"} | ||
- $H = 1.00 \ \rm bit/Quellensymbol$, | - $H = 1.00 \ \rm bit/Quellensymbol$, | ||
- $H = 0.75 \ \rm bit/Quellensymbol$, | - $H = 0.75 \ \rm bit/Quellensymbol$, | ||
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===Musterlösung=== | ===Musterlösung=== | ||
{{ML-Kopf}} | {{ML-Kopf}} | ||
'''(1)''' Die Näherung | '''(1)''' Die Näherung $r\hspace{0.05cm}'(N)$ stimmt per Definition für die Folgenlänge $N = 10000$ mit der per Simulation ermittelten Restredundanz $r(N) = 0.265$ exakt überein. | ||
:$$A = 4 \cdot r(N = 10000) =4 \cdot {0.265} \hspace{0.15cm}\underline{= 1.06} | *Damit ist | ||
\hspace{0.05cm}. $$ | :$$A = 4 \cdot r(N = 10000) =4 \cdot {0.265} \hspace{0.15cm}\underline{= 1.06}\hspace{0.05cm}. $$ | ||
'''(2)''' Aus der Beziehung ${A}/{\rm lg}\hspace{0.1cm}(N) ≤ 0.05$ ⇒ ${A}/{\rm lg}\hspace{0.1cm}(N_2) = 0.05$ folgt: | |||
:$${{\rm lg}\hspace{0.1cm}N_{\rm 2}} = \frac{A}{0.05} = 21.2 \hspace{0.3cm}\Rightarrow\hspace{0.3cm}N_{\rm 2} = 10^{21.2} \hspace{0.15cm}\underline{= 1.58 \cdot 10^{21}}\hspace{0.05cm}.$$ | |||
'''(3)''' Allgemein gilt $r(N) = 1 - {H}/{K(N)} \hspace{0.05cm}.$ | |||
*$\rm BQ1$ hat die Entropie $H = 0.5$ bit/Symbol. | |||
*Daraus folgt wegen $r(N) ≈ r\hspace{0.05cm}'(N)$ für $K(N_3) = 0.6$: | |||
:$$r(N_{\rm 3}) = 1 - \frac{0.5}{0.6} = 0.167 \hspace{0.1cm}\Rightarrow\hspace{0.1cm} {\rm lg}\hspace{0.1cm}N_{\rm 3} = \frac{A}{0.167} = 6.36\hspace{0.1cm}\Rightarrow\hspace{0.1cm}N_{\rm 3} = 10^{6.36} \hspace{0.15cm}\underline{= 2.29 \cdot 10^{6}}\hspace{0.05cm}.$$ | |||
[[Datei:P_ID2447__Inf_A_2_5d.png|right|frame|Ergebnisse für $\rm BQ2$]] | |||
'''(4)''' Für $N = 10000$ gilt $r(N) ≈ r\hspace{0.05cm}'(N) = 0.19$: | |||
:$$\frac{A}{{\rm lg}\hspace{0.1cm}10000} = 0.19 \hspace{0.3cm}\Rightarrow\hspace{0.3cm}A = 0.19 \cdot 4 = 0.76 \hspace{0.05cm}. $$ | |||
*Die Ergebnisse sind in nebenstehender Tabelle zusammengefasst. | |||
*Man erkennt die sehr gute Übereinstimmung zwischen $r(N)$ und $r\hspace{0.05cm}'(N)$. | |||
*Die gesuchten Zahlenwerte sind in der Tabelle rot markiert: | |||
$$r'(N = 50000)\hspace{0.15cm}\underline{ = 0.162},\hspace{0.3cm}r'(N = 10^{6})\hspace{0.15cm}\underline{ = 0.127},\hspace{0.3cm}r'(N = 10^{12})\hspace{0.15cm}\underline{ = 0.063}.$$ | |||
*Für den Komprimierungsfaktor gilt (der Apostroph weist darauf hin, dass von der Näherung $r\hspace{0.05cm}'(N)$ ausgegangen wurde): | |||
:$$K\hspace{0.05cm}'(N) = \frac{1}{1 - r\hspace{0.05cm}'(N)}\hspace{0.05cm}.$$ | |||
*Damit gilt für die Länge des LZW–Ausgabestrings: | |||
:$$L\hspace{0.05cm}'(N) = K\hspace{0.05cm}'(N) \cdot N = \frac{N}{1 - r\hspace{0.05cm}'(N)}\hspace{0.05cm}.$$ | |||
[[Datei: | [[Datei:Inf_A_2_5e_v2.png|right|frame|Ergebnisse für $\rm BQ3$]] | ||
'''( | '''(5)''' Nach ähnlicher Vorgehensweise wie in der Teilaufgabe '''(4)''' erhält man für die Binärquelle $\rm BQ3$ den Anpassungsparameter $A = 1.36$ und daraus die Ergebnisse gemäß der blau hinterlegten Tabelle. | ||
A = | |||
<u>Hinweis:</u> Die letzte Spalte dieser Tabelle ist nur bei Kenntnis der Teilaufgabe '''(6)''' verständlich. Dort wird gezeigt, dass die Quelle $\rm BQ3$ die Entropie $H = 0.25$ bit/Quellensymbol besitzt. | |||
*In diesem Fall gilt für den Komprimierungsfaktor: | |||
:$$K\hspace{0.05cm}'(N) = \frac{H}{1 - r\hspace{0.05cm}'(N)} = \frac{0.25}{1 - r'(N)} \hspace{0.05cm}.$$ | |||
*Damit erhält man für die gesuchten Werte der Restredundanz: | |||
:$$r\hspace{0.05cm}'(N = 50000)\hspace{0.15cm}\underline{ = 0.289},\hspace{0.3cm}r\hspace{0.05cm}'(N = 10^{6})\hspace{0.15cm}\underline{ = 0.227},\hspace{0.3cm}r\hspace{0.05cm}'(N = 10^{12})\hspace{0.15cm}\underline{ = 0.113}.$$ | |||
*Für $N = 10^{12}$ weicht also der Komprimierungsfaktor $(0.282)$ noch deutlich von der Entropie $(0.25)$ ab, die erst für $N \to \infty$ erreicht werden kann (Quellencodierungstheorem). | |||
'''(6)''' Die einzelnen Näherungen | '''(6)''' Die einzelnen Näherungen $r\hspace{0.05cm}'(N)$ unterscheiden sich nur durch den Parameter $A$. Dabei haben wir festgestellt: | ||
# Quelle $\rm BQ1$ mit $H = 0.50$ ⇒ $A = 1.06$ ⇒ entsprechend dem Angabenblatt, | |||
# Quelle $\rm BQ2$ mit $H = 1.00$ ⇒ $A = 0.76$ ⇒ siehe Teilaufgabe '''(4)''', | |||
# Quelle $\rm BQ3$ $(H$ unbekannt$)$: $A = 4 · 0.34 =1.36$ ⇒ entsprechend der hier angegebenen Tabelle. | |||
Je kleiner die Entropie | *Je kleiner die Entropie $H$ ist, um so größer ist offensichtlich der Anpassungsfaktor $A$ (und umgekehrt). | ||
Da genau eine Lösung möglich ist, muss | *Da genau eine Lösung möglich ist, muss $H = 0.25$ bit/Quellensymbol richtig sein ⇒ <u>Antwort 4</u>. | ||
Tatsächlich wurden bei der Simulation für die Quelle | *Tatsächlich wurden bei der Simulation für die Quelle $\rm BQ3$ die Wahrscheinlichkeiten $p_{\rm A} = 0.96$ und $p_{\rm B} = 0.04$ ⇒ $H ≈ 0.25$ verwendet. | ||
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[[Category:Aufgaben zu Informationstheorie|^2.2 Verfahren von Lempel, Ziv, Welch^]] | [[Category:Aufgaben zu Informationstheorie|^2.2 Verfahren von Lempel, Ziv, Welch^]] | ||
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Aktuelle Version vom 16. März 2026, 14:35 Uhr

Näherung $r\hspace{0.05cm}'(N)$ dreier Binärquellen
Wir gehen hier von einer binären Eingangsfolge der Länge $N$ aus und betrachten drei verschiedene binäre Nachrichtenquellen:
- $\rm BQ1$: Symbolwahrscheinlichkeiten $p_{\rm A} = 0.89$ und $p_{\rm B} = 0.11$, also unterschiedlich
⇒ Entropie $H = 0.5\text{ bit/Quellensymbol}$ ⇒ die Quelle ist redundant. - $\rm BQ2$: $p_{\rm A} = p_{\rm B} = 0.5$ (gleichwahrscheinlich)
⇒ Entropie $H = 1\text{ bit/Quellensymbol}$ ⇒ die Quelle ist redundanzfrei. - $\rm BQ3$: Hier gibt es keine konkreten Angaben zur Statistik.
In der Teilaufgabe (6) sollen Sie die Entropie $H$ dieser Quelle abschätzen.
Für diese drei Quellen wurden per Simulation die jeweilige Restredundanz $r(N)$ ermittelt, die nach der Lempel–Ziv–Welch–Codierung in der Binärfolge verbleibt.
Die Ergebnisse sind in der jeweils ersten Spalte obiger Tabelle für die Quellen
- $\rm BQ1$ (gelbe Hinterlegung),
- $\rm BQ2$ (grüne Hinterlegung) und
- $\rm BQ3$ (blaue Hinterlegung)
eingetragen, wobei wir uns bei der Simulation auf Folgenlängen $N ≤ 50000$ beschränkt haben.
Die relative Redundanz der Ausgangsfolge – vereinfachend „Restredundanz” genannt – kann aus
- der Länge $N$ der Eingangsfolge,
- der Länge $L(N)$ der Ausgangsfolge und
- der Entropie $H$
in folgender Weise berechnet werden:
- $$r(N) = \frac{L(N) - N \cdot H}{L(N)}= 1 - \frac{ N \cdot H}{L(N)}\hspace{0.05cm}.$$
Hierbei ist berücksichtigt, dass bei perfekter Quellencodierung die Länge der Ausgangsfolge bis auf den Wert $L_{\rm min} = N · H$ herabgesenkt werden könnte.
- Bei nichtperfekter Quellencodierung gibt $L(n) - N · H$ die verbleibende Redundanz (mit der Pseudo–Einheit „bit”) an.
- Nach Division durch $L(n)$ erhält man die relative Redundanz $r(n)$ mit dem Wertebereich zwischen Null und Eins; $r(n)$ sollte möglichst klein sein.
Eine zweite Kenngröße zur Effizienzmessung der LZW–Codierung ist der „Komprimierungsfaktor” $K(N)$, der als der Quotient der Längen von Ausgangs– und Eingangsfolge ebenfalls klein sein sollte:
- $$K(N) = {L(N) }/{N} \hspace{0.05cm},$$
Im Theorieteil wurde gezeigt, dass die Restredundanz $r(n)$ oft durch die Funktion
- $$r\hspace{0.05cm}'(N) =\frac {A}{{\rm lg}\hspace{0.1cm}(N)}\hspace{0.5cm}{\rm mit}\hspace{0.5cm} A = 4 \cdot {r(N = 10000)} \hspace{0.05cm}.$$
gut angenähert wird.
- Diese Näherung $r\hspace{0.05cm}'(N)$ ist für $\rm BQ1$ in der zweiten Spalte obiger Tabelle angegeben.
- In den Teilaufgaben (4) und (5) sollen Sie die Approximation für die Quellen $\rm BQ2$ und $\rm BQ3$ vornehmen.
Hinweise:
- Die Aufgabe gehört zum Kapitel Komprimierung nach Lempel, Ziv und Welch.
- Insbesondere wird Bezug genommen auf die Seiten
- Die Beschreibungsgrößen $K(N)$ und $r(N)$ hängen deterministisch zusammen.
Fragebogen
Musterlösung
- Damit ist
- $$A = 4 \cdot r(N = 10000) =4 \cdot {0.265} \hspace{0.15cm}\underline{= 1.06}\hspace{0.05cm}. $$
(2) Aus der Beziehung ${A}/{\rm lg}\hspace{0.1cm}(N) ≤ 0.05$ ⇒ ${A}/{\rm lg}\hspace{0.1cm}(N_2) = 0.05$ folgt:
- $${{\rm lg}\hspace{0.1cm}N_{\rm 2}} = \frac{A}{0.05} = 21.2 \hspace{0.3cm}\Rightarrow\hspace{0.3cm}N_{\rm 2} = 10^{21.2} \hspace{0.15cm}\underline{= 1.58 \cdot 10^{21}}\hspace{0.05cm}.$$
(3) Allgemein gilt $r(N) = 1 - {H}/{K(N)} \hspace{0.05cm}.$
- $\rm BQ1$ hat die Entropie $H = 0.5$ bit/Symbol.
- Daraus folgt wegen $r(N) ≈ r\hspace{0.05cm}'(N)$ für $K(N_3) = 0.6$:
- $$r(N_{\rm 3}) = 1 - \frac{0.5}{0.6} = 0.167 \hspace{0.1cm}\Rightarrow\hspace{0.1cm} {\rm lg}\hspace{0.1cm}N_{\rm 3} = \frac{A}{0.167} = 6.36\hspace{0.1cm}\Rightarrow\hspace{0.1cm}N_{\rm 3} = 10^{6.36} \hspace{0.15cm}\underline{= 2.29 \cdot 10^{6}}\hspace{0.05cm}.$$

(4) Für $N = 10000$ gilt $r(N) ≈ r\hspace{0.05cm}'(N) = 0.19$:
- $$\frac{A}{{\rm lg}\hspace{0.1cm}10000} = 0.19 \hspace{0.3cm}\Rightarrow\hspace{0.3cm}A = 0.19 \cdot 4 = 0.76 \hspace{0.05cm}. $$
- Die Ergebnisse sind in nebenstehender Tabelle zusammengefasst.
- Man erkennt die sehr gute Übereinstimmung zwischen $r(N)$ und $r\hspace{0.05cm}'(N)$.
- Die gesuchten Zahlenwerte sind in der Tabelle rot markiert:
$$r'(N = 50000)\hspace{0.15cm}\underline{ = 0.162},\hspace{0.3cm}r'(N = 10^{6})\hspace{0.15cm}\underline{ = 0.127},\hspace{0.3cm}r'(N = 10^{12})\hspace{0.15cm}\underline{ = 0.063}.$$
- Für den Komprimierungsfaktor gilt (der Apostroph weist darauf hin, dass von der Näherung $r\hspace{0.05cm}'(N)$ ausgegangen wurde):
- $$K\hspace{0.05cm}'(N) = \frac{1}{1 - r\hspace{0.05cm}'(N)}\hspace{0.05cm}.$$
- Damit gilt für die Länge des LZW–Ausgabestrings:
- $$L\hspace{0.05cm}'(N) = K\hspace{0.05cm}'(N) \cdot N = \frac{N}{1 - r\hspace{0.05cm}'(N)}\hspace{0.05cm}.$$

(5) Nach ähnlicher Vorgehensweise wie in der Teilaufgabe (4) erhält man für die Binärquelle $\rm BQ3$ den Anpassungsparameter $A = 1.36$ und daraus die Ergebnisse gemäß der blau hinterlegten Tabelle.
Hinweis: Die letzte Spalte dieser Tabelle ist nur bei Kenntnis der Teilaufgabe (6) verständlich. Dort wird gezeigt, dass die Quelle $\rm BQ3$ die Entropie $H = 0.25$ bit/Quellensymbol besitzt.
- In diesem Fall gilt für den Komprimierungsfaktor:
- $$K\hspace{0.05cm}'(N) = \frac{H}{1 - r\hspace{0.05cm}'(N)} = \frac{0.25}{1 - r'(N)} \hspace{0.05cm}.$$
- Damit erhält man für die gesuchten Werte der Restredundanz:
- $$r\hspace{0.05cm}'(N = 50000)\hspace{0.15cm}\underline{ = 0.289},\hspace{0.3cm}r\hspace{0.05cm}'(N = 10^{6})\hspace{0.15cm}\underline{ = 0.227},\hspace{0.3cm}r\hspace{0.05cm}'(N = 10^{12})\hspace{0.15cm}\underline{ = 0.113}.$$
- Für $N = 10^{12}$ weicht also der Komprimierungsfaktor $(0.282)$ noch deutlich von der Entropie $(0.25)$ ab, die erst für $N \to \infty$ erreicht werden kann (Quellencodierungstheorem).
(6) Die einzelnen Näherungen $r\hspace{0.05cm}'(N)$ unterscheiden sich nur durch den Parameter $A$. Dabei haben wir festgestellt:
- Quelle $\rm BQ1$ mit $H = 0.50$ ⇒ $A = 1.06$ ⇒ entsprechend dem Angabenblatt,
- Quelle $\rm BQ2$ mit $H = 1.00$ ⇒ $A = 0.76$ ⇒ siehe Teilaufgabe (4),
- Quelle $\rm BQ3$ $(H$ unbekannt$)$: $A = 4 · 0.34 =1.36$ ⇒ entsprechend der hier angegebenen Tabelle.
- Je kleiner die Entropie $H$ ist, um so größer ist offensichtlich der Anpassungsfaktor $A$ (und umgekehrt).
- Da genau eine Lösung möglich ist, muss $H = 0.25$ bit/Quellensymbol richtig sein ⇒ Antwort 4.
- Tatsächlich wurden bei der Simulation für die Quelle $\rm BQ3$ die Wahrscheinlichkeiten $p_{\rm A} = 0.96$ und $p_{\rm B} = 0.04$ ⇒ $H ≈ 0.25$ verwendet.