Aufgaben:Aufgabe 1.3: Kanalmodelle BSC–BEC–BSEC–AWGN: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:P_ID2383__KC_A_1_3_neu.png|right|frame|BEEC und dessen Bezug zum AWGN–Modell]]
[[Datei:P_ID2383__KC_A_1_3_neu.png|right|frame|Kanalmodelle  „BSEC”  und  „AWGN”]]
Im Theorieteil zu diesem Kapitel werden die folgenden digitalen Kanalmodelle behandelt:
Im Theorieteil zu diesem Kapitel werden die folgenden digitalen Kanalmodelle behandelt:
*[[Kanalcodierung/Kanalmodelle_und_Entscheiderstrukturen#Binary_Symmetric_Channel_.E2.80.93_BSC|Binary Symmetric Channel]](BSC),
*[[Kanalcodierung/Kanalmodelle_und_Entscheiderstrukturen#Binary_Symmetric_Channel_.E2.80.93_BSC|Binary Symmetric Channel]]  $\rm (BSC)$,
*[[Kanalcodierung/Kanalmodelle_und_Entscheiderstrukturen#Binary_Erasure_Channel_.E2.80.93_BEC|Binary Erasure Channel]](BEC),
*[[Kanalcodierung/Kanalmodelle_und_Entscheiderstrukturen#Binary_Erasure_Channel_.E2.80.93_BEC|Binary Erasure Channel]]  $\rm (BEC)$,
*[[Kanalcodierung/Kanalmodelle_und_Entscheiderstrukturen#Binary_Symmetric_Error_.26_Erasure_Channel_.E2.80.93_BSEC|Binary Symm. Error & Erasure Ch.]](BSEC).
*[[Kanalcodierung/Kanalmodelle_und_Entscheiderstrukturen#Binary_Symmetric_Error_.26_Erasure_Channel_.E2.80.93_BSEC|Binary Symmetric Error & Erasure Channel]]  $\rm (BSEC)$.
Die obere Grafik zeigt das BSEC–Modell. Daraus lassen sich auch die beiden anderen Kanalmodelle ableiten:
*Mit λ = 0 ergibt sich das BSC–Modell.
*Mit $\varepsilon = 0$ ergibt sich das BEC–Modell.
Die untere Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen dem BSEC–Modell und dem analogen AWGN–Kanal- modell. Um Verwechslungen zu vermeiden, bezeichnen wir das (analoge) Ausgangssignal des AWGN–Kanals mit $y_{\rm A}$, wobei mit dem Rauschterm n gilt: $y_{\rm A}$ = ''x̃'' + n.


Die Tilde weist auf die bipolare Beschreibung des Digitalsignals hin. Es gilt ''x̃'' = +1, falls x = 0, und ''x̃'' = –1, falls x = 1.


Man erkennt die ternäre Ausgangsgröße y $\in$ {0, 1, E}, die sich aus dem AWGN–Modell durch die Unterteilung in drei Bereiche ergibt. Hierzu werden die Entscheiderschwellen G0 und G1 benötigt.
Die obere Grafik zeigt das BSEC–Modell.  Daraus lassen sich zwei andere Kanalmodelle ableiten:
*Mit  $λ = 0$  ergibt sich das BSC–Modell.
*Mit  $\varepsilon = 0$  ergibt sich das BEC–Modell.


y = E (''Erasure'') sagt aus, dass die Entscheidung so unsicher ist, dass als Ergebnis weder y = 0 noch y = 1 gerechtfertigt erscheint. In deutschen Fachbüchern spricht man von einer ''Auslöschung''.


''Hinweis:''
Die untere Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen dem diskreten BSEC–Modell und dem analogen AWGN–Kanalmodell.  Um Verwechslungen zu vermeiden,  bezeichnen wir das  (analoge)  Ausgangssignal des AWGN–Kanals mit  $y_{\rm A}$,  wobei mit dem Rauschterm  $n$  gilt:
Die Aufgabe bezieht sich auf das [[Kanalcodierung/Kanalmodelle_und_Entscheiderstrukturen|Kanalmodelle_und_Entscheiderstrukturen]]. Die Streuung des AWGN–Rauschens n wird für die gesamte Aufgabe zu σ = 0.4 angenommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zufallsgröße n größer ist als A oder kleiner als –A, ergibt sich mit dem komplementären Gaußschen Fehlerintegral Q(x) wie folgt:
:$$y_{\rm A} = \tilde{x}+ n.$$
 
Die Tilde weist auf die bipolare Beschreibung des Digitalsignals hin.  Es gilt:
*$\tilde{x} = +1$,   falls  $x = 0$,
*$\tilde{x} = -1$,   falls  $x = 1$.
 
 
Man erkennt die ternäre Ausgangsgröße  $y  \in \{0,\ 1,\ \rm E\}$,  die sich aus dem AWGN–Modell durch die Unterteilung in drei Bereiche ergibt.  Hierzu werden die Entscheiderschwellen  $G_0$  und  $G_1$  benötigt.
 
Das Ereignis   $y = \rm E$  („"Erasure"”)  sagt aus,  dass die Entscheidung so unsicher ist,  dass als Ergebnis weder  $y = 0$   noch   $y = 1$   gerechtfertigt erscheint.  In deutschen Fachbüchern spricht man von einer  "Auslöschung".
 
 
 
 
Hinweise:
*Die Aufgabe gehört zum Kapitel  [[Kanalcodierung/Kanalmodelle_und_Entscheiderstrukturen|"Kanalmodelle und Entscheiderstrukturen"]].
*Die Streuung des AWGN–Rauschens  $n$  wird für die gesamte Aufgabe zu  $\sigma  = 0.4$  angenommen.
*Die Wahrscheinlichkeit,  dass die Zufallsgröße  $n$  größer ist als  $A$  oder kleiner als  $–A$,  ergibt sich mit dem komplementären Gaußschen Fehlerintegral  ${\rm Q}(x)$  wie folgt:
:$${\rm Pr}(n > A) = {\rm Pr}(n < -A) = {\rm Q}(A/\sigma)\hspace{0.05cm}.$$
:$${\rm Pr}(n > A) = {\rm Pr}(n < -A) = {\rm Q}(A/\sigma)\hspace{0.05cm}.$$
*Bitte beachten Sie weiter: &nbsp; Ausgehend vom AWGN–Kanal ist die Verfälschungswahrscheinlichkeit&nbsp; $\varepsilon = 0$&nbsp; eigentlich nicht möglich.
*Für diese Aufgabe behelfen wir uns dadurch,&nbsp; dass alle Wahrscheinlichkeiten in Prozent mit zwei Nachkommastellen angegeben werden sollen.&nbsp; Damit kann&nbsp; $\varepsilon \le 0.5 · 10^{-4}=0.005\%$&nbsp; durch&nbsp; $\varepsilon \approx 0$&nbsp; angenähert werden.
Es folgen noch einige Zahlenwerte der Q–Funktion:
Es folgen noch einige Zahlenwerte der Q–Funktion:
:$$ {\rm Q}(0) \hspace{-0.1cm} \ = \ \hspace{-0.1cm} 50\%\hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(0.5) \ = \ 30.85\%\hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(1) \ = \ 15.87\% \hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(1.5) \ = \ 6.68\%\hspace{0.05cm},$$
:$$ {\rm Q}(0) \hspace{-0.1cm} \ = \ \hspace{-0.1cm} 50.0\%\hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(0.5) \ = \ 30.85\%\hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(1) \ = \ 15.87\% \hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(1.5) \ = \ 6.68\%\hspace{0.05cm},$$
:$${\rm Q}(2) \hspace{-0.1cm} \ = \  \hspace{-0.1cm} 2.28\%\hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(2.5) \ = \ 0.62\%\hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(3) \ = \ 0.14\% \hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(3.5) \ = \ 0.02\% \hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(4) \approx 0 \hspace{0.05cm}.$$
:$${\rm Q}(2) \hspace{-0.1cm} \ = \  \hspace{-0.1cm} 2.28\%\hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(2.5) \ = \hspace{0.3cm} 0.62\%\hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(3) \ = \hspace{0.3cm} 0.14\% \hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(3.5) \ = \hspace{0.3cm} 0.02\% \hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(4) \approx 0 \hspace{0.05cm}.$$
Bitte beachten Sie weiter: Ausgehend vom AWGN–Kanal ist die Verfälschungswahrscheinlichkeit $\varepsilon = 0$ eigentlich nicht möglich. Für diese Aufgabe behelfen wir uns dadurch, dass alle Wahrscheinlichkeiten in Prozent mit zwei Nachkommastellen angegeben werden sollen. Damit kann $\varepsilon < 0.5 · 10^-4$ durch $\varepsilon \approx 0$ angenähert werden.
 




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{Durch welche Entscheiderschwelle(n) entsteht das BSC–Modell?
{Durch welche Entscheiderschwelle(n) entsteht das BSC–Modell?
|type="[]"}
|type="[]"}
+ Eine Entscheiderschwelle bei G = 0.
+ Eine Entscheiderschwelle bei&nbsp; $G = 0$.
- Zwei symmetrische Entscheiderschwellen bei ±G.
- Zwei symmetrische Entscheiderschwellen bei&nbsp; $±G$.
- Eine Entscheiderschwelle bei $G_{1} = 0$ und eine zweite bei $G_{2} = 0.5$.
- Eine Entscheiderschwelle bei&nbsp; $G_{1} = 0$&nbsp; und eine zweite bei&nbsp; $G_{2} = 0.5$.


{Wie groß ist die BSC–Verfälschungswahrscheinlichkeit $\varepsilon$ mit $sigma$ = 0.4?
{Wie groß ist die BSC–Verfälschungswahrscheinlichkeit&nbsp; $\varepsilon$&nbsp; mit&nbsp; $\sigma = 0.4$?
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$varepsilon \ = \ $ { 0,62 3% } $\ \rm %$
$\varepsilon \ = \ $ { 0.62 3% } $\ \%$


{Multiple-Choice Frage
{Durch welche Entscheiderschwelle(n) entsteht das BSEC–Modell?
|type="[]"}
|type="[]"}
- Falsch
- Eine Entscheiderschwelle bei&nbsp; $G = 0$.
+ Richtig
+ Zwei symmetrische Entscheiderschwellen bei&nbsp; $±G$.
- Eine Entscheiderschwelle bei&nbsp; $G_{1} = 0$&nbsp; und eine zweite bei&nbsp; $G_{2} = 0.5$.


{Input-Box Frage
{Welche BSEC–Parameter ergeben sich mit Schwellen bei&nbsp; $±0.2$?
|type="{}"}
|type="{}"}
$\alpha$ = { 0.3 }
$\varepsilon \ = \ $ { 0.14 3% }  $ \ \%$
$\lambda \ = \ $ { 2.14 3% }   $ \ \%$


 
{Durch welche Entscheiderschwelle(n) entsteht das BEC–Modell?&nbsp; Beachten Sie bitte den letzten Hinweis auf der Angabenseite.
 
{Multiple-Choice Frage
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|type="[]"}
- Falsch
- Eine Entscheiderschwelle bei&nbsp; $G = 0$.
+ Richtig
+ Zwei symmetrische Entscheiderschwellen bei&nbsp; $±G$.
- Eine Entscheiderschwelle bei&nbsp; $G_{1} = 0$&nbsp; und eine zweite bei&nbsp; $G_{2} = 0.5$.


{Input-Box Frage
{Berechnen Sie den BEC–Parameter&nbsp; $\lambda$&nbsp; für Entscheiderschwellen bei&nbsp; $G = ±0.6$.
|type="{}"}
|type="{}"}
$\alpha$ = { 0.3 }
$\lambda \ = \ $ { 15.87 3% }   $ \ \%$


</quiz>
</quiz>
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===Musterlösung===
===Musterlösung===
{{ML-Kopf}}
{{ML-Kopf}}
'''1.'''
'''(1)'''&nbsp; Richtig ist die&nbsp; <u>Antwort 1</u>:
'''2.'''
*Das BSC–Modell basiert auf einer einzigen Entscheiderschwelle.&nbsp; Wegen der Eigenschaft&nbsp; "symmetric"&nbsp; liegt diese bei&nbsp; $G = 0$.
'''3.'''
 
'''4.'''
 
'''5.'''
 
'''6.'''
'''(2)'''&nbsp; Die Wahrscheinlickeit,&nbsp; dass eine Gaußsche Zufallsgröße mit Streuung&nbsp; $\sigma$&nbsp; größer ist als&nbsp; $+1$&nbsp; oder kleiner ist als&nbsp; $–1$,&nbsp;  ergibt sich gemäß der Angabe zu&nbsp; $\varepsilon = {\rm Q} (1/ \sigma)$.
'''7.'''
*Mit&nbsp; $\sigma= 0.4$&nbsp; folgt daraus: &nbsp; $\varepsilon = {\rm Q}(2.5)  \ \underline { = 0.62\, \%}.$
 
 
 
'''(3)'''&nbsp; Richtig ist hier die&nbsp; <u>Antwort 2</u>:
*Beim BSEC–Modell gibt es drei Entscheidungsgebiete,&nbsp; je eines für die Symbole&nbsp; $0$&nbsp; und&nbsp; $1$&nbsp; und ein weiteres für&nbsp; "Erasure" $(\rm E$:&nbsp; keine Entscheidung möglich$)$.
*Dazu benötigt man zwei Schwellen,&nbsp; die symmetrisch um&nbsp; $0$&nbsp; liegen müssen.
*Wenn dem nicht so wäre,&nbsp; ergäben sich unterschiedliche Ergebnisse für die Symbole&nbsp; $0$&nbsp; und&nbsp; $1$.
 
 
 
'''(4)'''&nbsp; Es gelte&nbsp; $y_{\rm A} = \tilde{x}+ n$.&nbsp; Eine falsche Entscheidung ergibt sich in diesem Fall für den Rauschterm
*$n > +1.2$, &nbsp;  falls $\tilde{x} = -1$  &nbsp; ⇒  &nbsp;  $x = 1$,
*$n < -1.2$, &nbsp;  falls $\tilde{x} = +1$  &nbsp; ⇒  &nbsp;  $x = 0$.
 
 
In beiden Fällen erhält man für die Verfälschungswahrscheinlichkeit:
:$$ε = {\rm Q}(1.2/0.4) = {\rm Q}(3) \hspace{0.15cm} \underline{=0.14 \%}.$$
*Ein&nbsp; "Erasure"&nbsp; (keine Entscheidung)&nbsp; ergibt sich für&nbsp; $–0.2 < y_{\rm A} < +0.2$.
*Ausgehend von&nbsp; $\tilde{x} = -1$&nbsp; gilt somit:
:$$\lambda \hspace{-0.15cm} \ =  \ \hspace{-0.15cm} {\rm Pr}(0.8 < n < 1.2) = {\rm Pr}(n > 0.8) - {\rm Pr}(n > 1.2) = {\rm Q}(2) - {\rm Q}(3) \approx 2.28\,\% - 0.14\,\% \hspace{0.15cm} \underline {\approx 2.14\,\%} \hspace{0.05cm}.$$
 
 
'''(5)'''&nbsp;  Hier ist ebenfalls die&nbsp; <u>Antwort 2</u>&nbsp; richtig:
*Auch beim BEC–Modell gibt es zwei um&nbsp; $0$&nbsp; symmetrische Schwellen.
*Der Unterschied zum BSEC–Modell ist,&nbsp; dass sich die Verfälschungswahrscheinlichkeit&nbsp; $\varepsilon  = 0$&nbsp; $($genauer gesagt:&nbsp; $\varepsilon  < 0.5 · 10^{–4})$&nbsp; ergibt,&nbsp; entweder,&nbsp; weil
:*der Sicherheitsbereich&nbsp; $(±G)$&nbsp; größer gewählt ist als beim BSEC–Modell,&nbsp; oder
:*das AWGN–Rauschen eine kleinere Streuung&nbsp; $σ$&nbsp; aufweist.
 
 
'''(6)'''&nbsp;  Beim BEC–Modell ist die Verfälschungswahrscheinlichkeit vernachlässigbar:
:$$\varepsilon = {\rm Q}(1.6/0.4) = {\rm Q}(4)\approx 0.32 \cdot 10^{-4} \approx 0 \hspace{0.05cm}.$$
*Das heißt: Man kann hier tatsächlich vom BEC–Modell ausgehen.
*Für die&nbsp; "Erasure"–Wahrscheinlichkeit gilt dabei:
:$${\it \lambda} \hspace{-0.15cm} \ =  \ \hspace{-0.15cm} {\rm Pr}(0.4 < n < 1.6) = {\rm Pr}(n > 0.4) - {\rm Pr}(n > 1.6) ={\rm Q}(1) - {\rm Q}(4) \approx {\rm Q}(1) \hspace{0.15cm} \underline {= 15.87\,\%} \hspace{0.05cm}.$$
 
{{ML-Fuß}}
{{ML-Fuß}}






[[Category:Aufgaben zu  Kanalcodierung|^1.2 Kanalmodelle und Entscheiderstrukturen
[[Category:Aufgaben zu  Kanalcodierung|^1.2 Kanal und Entscheiderstrukturen
^]]
^]]
[[en:Aufgaben:Exercise_1.3:_Channel_Models_BSC_-_BEC_-_BSEC_-_AWGN]]

Aktuelle Version vom 16. März 2026, 14:34 Uhr

Kanalmodelle  „BSEC”  und  „AWGN”

Im Theorieteil zu diesem Kapitel werden die folgenden digitalen Kanalmodelle behandelt:


Die obere Grafik zeigt das BSEC–Modell.  Daraus lassen sich zwei andere Kanalmodelle ableiten:

  • Mit  $λ = 0$  ergibt sich das BSC–Modell.
  • Mit  $\varepsilon = 0$  ergibt sich das BEC–Modell.


Die untere Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen dem diskreten BSEC–Modell und dem analogen AWGN–Kanalmodell.  Um Verwechslungen zu vermeiden,  bezeichnen wir das  (analoge)  Ausgangssignal des AWGN–Kanals mit  $y_{\rm A}$,  wobei mit dem Rauschterm  $n$  gilt:

$$y_{\rm A} = \tilde{x}+ n.$$

Die Tilde weist auf die bipolare Beschreibung des Digitalsignals hin.  Es gilt:

  • $\tilde{x} = +1$,   falls  $x = 0$,
  • $\tilde{x} = -1$,   falls  $x = 1$.


Man erkennt die ternäre Ausgangsgröße  $y \in \{0,\ 1,\ \rm E\}$,  die sich aus dem AWGN–Modell durch die Unterteilung in drei Bereiche ergibt.  Hierzu werden die Entscheiderschwellen  $G_0$  und  $G_1$  benötigt.

Das Ereignis   $y = \rm E$  („"Erasure"”)  sagt aus,  dass die Entscheidung so unsicher ist,  dass als Ergebnis weder  $y = 0$   noch   $y = 1$   gerechtfertigt erscheint.  In deutschen Fachbüchern spricht man von einer  "Auslöschung".



Hinweise:

  • Die Streuung des AWGN–Rauschens  $n$  wird für die gesamte Aufgabe zu  $\sigma = 0.4$  angenommen.
  • Die Wahrscheinlichkeit,  dass die Zufallsgröße  $n$  größer ist als  $A$  oder kleiner als  $–A$,  ergibt sich mit dem komplementären Gaußschen Fehlerintegral  ${\rm Q}(x)$  wie folgt:
$${\rm Pr}(n > A) = {\rm Pr}(n < -A) = {\rm Q}(A/\sigma)\hspace{0.05cm}.$$
  • Bitte beachten Sie weiter:   Ausgehend vom AWGN–Kanal ist die Verfälschungswahrscheinlichkeit  $\varepsilon = 0$  eigentlich nicht möglich.
  • Für diese Aufgabe behelfen wir uns dadurch,  dass alle Wahrscheinlichkeiten in Prozent mit zwei Nachkommastellen angegeben werden sollen.  Damit kann  $\varepsilon \le 0.5 · 10^{-4}=0.005\%$  durch  $\varepsilon \approx 0$  angenähert werden.


Es folgen noch einige Zahlenwerte der Q–Funktion:

$$ {\rm Q}(0) \hspace{-0.1cm} \ = \ \hspace{-0.1cm} 50.0\%\hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(0.5) \ = \ 30.85\%\hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(1) \ = \ 15.87\% \hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(1.5) \ = \ 6.68\%\hspace{0.05cm},$$
$${\rm Q}(2) \hspace{-0.1cm} \ = \ \hspace{-0.1cm} 2.28\%\hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(2.5) \ = \hspace{0.3cm} 0.62\%\hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(3) \ = \hspace{0.3cm} 0.14\% \hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(3.5) \ = \hspace{0.3cm} 0.02\% \hspace{0.05cm}, \hspace{0.2cm}{\rm Q}(4) \approx 0 \hspace{0.05cm}.$$


Fragebogen

1 Durch welche Entscheiderschwelle(n) entsteht das BSC–Modell?

Eine Entscheiderschwelle bei  $G = 0$.
Zwei symmetrische Entscheiderschwellen bei  $±G$.
Eine Entscheiderschwelle bei  $G_{1} = 0$  und eine zweite bei  $G_{2} = 0.5$.

2 Wie groß ist die BSC–Verfälschungswahrscheinlichkeit  $\varepsilon$  mit  $\sigma = 0.4$?

$\varepsilon \ = \ $ $\ \%$

3 Durch welche Entscheiderschwelle(n) entsteht das BSEC–Modell?

Eine Entscheiderschwelle bei  $G = 0$.
Zwei symmetrische Entscheiderschwellen bei  $±G$.
Eine Entscheiderschwelle bei  $G_{1} = 0$  und eine zweite bei  $G_{2} = 0.5$.

4 Welche BSEC–Parameter ergeben sich mit Schwellen bei  $±0.2$?

$\varepsilon \ = \ $ $ \ \%$
$\lambda \ = \ $ $ \ \%$

5 Durch welche Entscheiderschwelle(n) entsteht das BEC–Modell?  Beachten Sie bitte den letzten Hinweis auf der Angabenseite.

Eine Entscheiderschwelle bei  $G = 0$.
Zwei symmetrische Entscheiderschwellen bei  $±G$.
Eine Entscheiderschwelle bei  $G_{1} = 0$  und eine zweite bei  $G_{2} = 0.5$.

6 Berechnen Sie den BEC–Parameter  $\lambda$  für Entscheiderschwellen bei  $G = ±0.6$.

$\lambda \ = \ $ $ \ \%$


Musterlösung

(1)  Richtig ist die  Antwort 1:

  • Das BSC–Modell basiert auf einer einzigen Entscheiderschwelle.  Wegen der Eigenschaft  "symmetric"  liegt diese bei  $G = 0$.


(2)  Die Wahrscheinlickeit,  dass eine Gaußsche Zufallsgröße mit Streuung  $\sigma$  größer ist als  $+1$  oder kleiner ist als  $–1$,  ergibt sich gemäß der Angabe zu  $\varepsilon = {\rm Q} (1/ \sigma)$.

  • Mit  $\sigma= 0.4$  folgt daraus:   $\varepsilon = {\rm Q}(2.5) \ \underline { = 0.62\, \%}.$


(3)  Richtig ist hier die  Antwort 2:

  • Beim BSEC–Modell gibt es drei Entscheidungsgebiete,  je eines für die Symbole  $0$  und  $1$  und ein weiteres für  "Erasure" $(\rm E$:  keine Entscheidung möglich$)$.
  • Dazu benötigt man zwei Schwellen,  die symmetrisch um  $0$  liegen müssen.
  • Wenn dem nicht so wäre,  ergäben sich unterschiedliche Ergebnisse für die Symbole  $0$  und  $1$.


(4)  Es gelte  $y_{\rm A} = \tilde{x}+ n$.  Eine falsche Entscheidung ergibt sich in diesem Fall für den Rauschterm

  • $n > +1.2$,   falls $\tilde{x} = -1$   ⇒   $x = 1$,
  • $n < -1.2$,   falls $\tilde{x} = +1$   ⇒   $x = 0$.


In beiden Fällen erhält man für die Verfälschungswahrscheinlichkeit:

$$ε = {\rm Q}(1.2/0.4) = {\rm Q}(3) \hspace{0.15cm} \underline{=0.14 \%}.$$
  • Ein  "Erasure"  (keine Entscheidung)  ergibt sich für  $–0.2 < y_{\rm A} < +0.2$.
  • Ausgehend von  $\tilde{x} = -1$  gilt somit:
$$\lambda \hspace{-0.15cm} \ = \ \hspace{-0.15cm} {\rm Pr}(0.8 < n < 1.2) = {\rm Pr}(n > 0.8) - {\rm Pr}(n > 1.2) = {\rm Q}(2) - {\rm Q}(3) \approx 2.28\,\% - 0.14\,\% \hspace{0.15cm} \underline {\approx 2.14\,\%} \hspace{0.05cm}.$$


(5)  Hier ist ebenfalls die  Antwort 2  richtig:

  • Auch beim BEC–Modell gibt es zwei um  $0$  symmetrische Schwellen.
  • Der Unterschied zum BSEC–Modell ist,  dass sich die Verfälschungswahrscheinlichkeit  $\varepsilon = 0$  $($genauer gesagt:  $\varepsilon < 0.5 · 10^{–4})$  ergibt,  entweder,  weil
  • der Sicherheitsbereich  $(±G)$  größer gewählt ist als beim BSEC–Modell,  oder
  • das AWGN–Rauschen eine kleinere Streuung  $σ$  aufweist.


(6)  Beim BEC–Modell ist die Verfälschungswahrscheinlichkeit vernachlässigbar:

$$\varepsilon = {\rm Q}(1.6/0.4) = {\rm Q}(4)\approx 0.32 \cdot 10^{-4} \approx 0 \hspace{0.05cm}.$$
  • Das heißt: Man kann hier tatsächlich vom BEC–Modell ausgehen.
  • Für die  "Erasure"–Wahrscheinlichkeit gilt dabei:
$${\it \lambda} \hspace{-0.15cm} \ = \ \hspace{-0.15cm} {\rm Pr}(0.4 < n < 1.6) = {\rm Pr}(n > 0.4) - {\rm Pr}(n > 1.6) ={\rm Q}(1) - {\rm Q}(4) \approx {\rm Q}(1) \hspace{0.15cm} \underline {= 15.87\,\%} \hspace{0.05cm}.$$