Das Übertragungsmaß γ(f) = α(f) + j · β(f) und der Wellenwiderstand ZW(f) von Doppeladern in realen, verlegten Kabeln weichen mehr oder weinger stark von der inKapitel 4.1dargelegten Theorie ab. Gründe hierfür sind:
komplexe Vorgänge der Wirbelstrombildung und der Stromverdrängung und
Inhomogenitäten im Kabelaufbau bei gespleißten Kabelabschnitten.
Daher wurden von verschiedenen Systementwicklern und Netzbetreibern das Übertragungsmaß sowie der Wellenwiderstand gemessen und daraus empirische Gleichungen für α(f), β(f) und ZW(f) abgeleitet. Wir beziehen uns hier auf die in[PW95]dokumentierten Arbeiten von M. Pollakowski und H.W. Wellhausen vom Fernmeldetechnischen Zentralamt der Deutschen Bundespost in Darmstadt. Diese ermittelten unter anderem das empirische Dämpfungsmaß aus 40 Messungen im Frequenzbereich bis 30 MHz entsprechend der Gleichung
Die Grafik zeigt das Ergebnis dieser Messungen, das durch folgende Kabelkonstante gekennzeichnet ist:
Das Dämpfungsmaß α(f) sowie die resultierende Dämpfungsfunktion aK(f) = α(f · l) hängt wesentlich vom Leitungsdurchmesser ab. Die seit 1994 verlegten Kabel mit den Durchmessern 0.35 mm und 0.5 mm haben etwa ein um 10% größeres Dämpfungsmaß als die vorher verlegten Leitungstypen 0.4 mm und 0.6 mm.
Dieser mit den Herstellungs– und Verlegungskosten begründete kleinere Leitungsdurchmesser vermindert allerdings die Reichweite der auf diesen Leitungen eingesetzten Übertragungssysteme signifikant, so dass im schlimmsten Fall teuere Zwischengeneratoren eingesetzt werden müssen, um die Kunden mit hochratigen Diensten versorgen zu können.
Die heute üblichen Übertragungsverfahren für Kupferleitungen belegen allerdings nur ein relativ schmales Frequenzband, zum Beispiel sind dies bei ISDN 120 kHz und bei DSL ca. 1100 kHz. Für f = 1 MHz beträgt das Dämpfungsmaß für ein 0.4 mm–Kabel etwa 20 dB/km, so dass selbst bei einer Kabellänge von 4 km der Dämpfungswert nicht über 80 dB liegt.
Eine Ausnahme bildet VDSL, das z. B. die Deutsche Telekom in allen größeren Städten anbietet. Hier geht der Frequenzbereich bis 30 MHz. Deshalb wurden hierfür Glasfaserverbindungen bis zum Kabelverzweiger verlegt, um die noch mit Kupfer zu überbrückende Länge klein zu halten. Man spricht dann von Fibre–to–the–Cabinet (FttC).