Die Wahl des Abschlusswiderstandes Z2(f) = ZW(f) verhindert die Entstehung einer reflektierten Welle am Leitungsende. Eine exakte Anpassung dieser Widerstände ist aber in der Praxis
wegen der komplizierten Frequenzabhängigkeit des Wellenwiderstandes,
bei Kabeln unterschiedlicher Bauform entlang einer Verbindung,
bei Berücksichtigung fertigungsbedingter Toleranzen
meist nur in einem sehr eingeschränkten Frequenzbereich möglich. Daher werden in realen Systemen der Innenwiderstand der Quelle und der Abschlusswiderstand reell und konstant gewählt, zum Beispiel beiISDN(Integrated Services Digital Network) zu R1 = R2 = 150 Ω.
Dies hat folgende Auswirkungen:
Der Eingangswiderstand der Leitung aus Sicht der Quelle hängt vom Übertragungsmaß γ(f), der Leitungslänge l, dem Wellenwiderstand ZW(f) sowie dem Abschlusswiderstand R2 ab:
Durch diese schaltungsbedingte Vereinfachung kommt es zu Reflexionen am Leitungsende. Diese reduzieren die am Empfänger verfügbare Leistung und erhöhen so die Leitungsdämpfung.
Zur Bewertung eines solchen fehlangepassten Systems wurde die Betriebsdämpfung (Dämpfung im Betrieb) definiert, die die tatsächliche vom Sender zum Empfänger übertragene Wirkleistung in Bezug zum bestmöglichen Fall (vernachlässigbare Leitungslänge, vollständige Anpassung) setzt:
Bei Widerstandsanpassung ist die Betriebsdämpfung gleich der Wellendämpfung, das heißt, in diesem anzustrebenden Fall ist nur der erste Term obiger Gleichung wirksam:
Der zweite und der dritte Term berücksichtigen die Leistungsverluste durch Reflexion an den Übergängen Sender–Leitung und Leitung–Empfänger. Für diese beiden Stoßdämpfungen gilt:
Die Wechselwirkungsdämpfung (vierter Term) beschreibt die Auswirkung einer mehrfach reflektierten Welle, die sich – je nach Leitungslänge – dem Nutzsignal am Empfänger konstruktiv oder destruktiv überlagert. Für die Reflexionsfaktoren gilt entsprechend
In den Kapiteln 4.2 und 4.3 wird nur noch die Wellendämpfung α(f) · l weiter betrachtet und damit die Auswirkung einer Fehleranpassung vernachlässigt.