Heinrich Hertz wurde am 22. Februar 1857 in Hamburg geboren und starb am 1. Januar 1894 in Bonn. Er begann 1876 das Studium des Bauingenieurwesens und war überglücklich, als ihm seine Eltern das Physikstudium erlaubten. Hertz ging 1878 nach Berlin zu Helmholtz und gewann sogleich eine Goldmedaille bei einem großen Preisausschreiben der Universität. 1880 promovierte er mit der theoretischen Arbeit „Über die Induktion in rotierenden Kugeln”, wurde Assistent von Helmholtz und arbeitete über die Verdunstung und Kondensation von Flüssikkeiten, über Elastizität – wobei er unter Anderem eine klare Definition des Begriffes „Härte” gab – und über die Glimmentladung; dabei untersuchte er auch die damals rätselhafte physikalische Natur der Kathodenstrahlen.
Er konnte weder die elektrostatische Ablenkung noch den reziproken Effekt der schon bekannten magnetischen Ablenkung, die Rückwirkung des Kathodenstrahles auf Magnetnadeln, auffinden. Die Ergebnisse von Hertz führten Helmholtz und viele andere, besonders in Deutschland, zu falschen Deutungsversuchen („longitudinale Ätherwellen”). Die letzte Experimentaluntersuchung von Hertz, 1891, ist nochmals diesem Gebiet gewidmet. Die Hertzsche Beobachtung, dass dünne Metallschichten für Kathodenstrahlen durchlässig sind, gab seinem Schüler Philipp Lenard (Lenardfenster) den Schlüssel für die endgültige Lösung.
1883 habilitierte sich Hertz in Kiel mit seinen schon in Berlin ausgeführten „Versuchen über die Glimmentladung”. Nun beschäftigte er sich wieder intensiv mit Problemen der Elektrodynamik. Er wies nach, dass das auf Fernwirkungskräfte gegründete Gleichungssystem „in seinem gegenwärtigen Zustand sicherlich unvollständig” ist, dass vielmehr dieses System, konsequent ergänzt, die Maxwellsche Theorie ergeben muss. 1886 wurde Hertz als Nachfolger von Ferdinand Braun zum Ordentlichen Professor am Polytechnikum Karlsruhe berufen. Hier begannen seine Beobachtungen, die schließlich zur Entdeckung der Hertzschen Wellen führten. Die Absicht der Hertzschen Versuche war die „Prüfung der Fundamentalhypothesen der Faraday-Maxwellschen Theorie”. Die Elektrodynamik alten Stils kannte nur ein (durch die zeitliche Änderung eines magnetischen Feldes) induziertes elektrisches Feld; Maxwell hatte die symmetrische Gleichung, nämlich das durch die zeitliche Änderung eines elektrischen Feldes induzierte magnetische Feld, hinzugefügt. Dieses erreicht einen nennenswerten Betrag nur bei sehr hohen Frequenzen des sich ändernden elektrischen Feldes.
Bisher hatte man elektrische Schwingungen von so hoher Frequenz nicht gekannt, deshalb hatten auch die Vor-Maxwellschen Theorien die Beobachtungen befriedigend wiedergegeben. Nach der Erzeugung der „sehr schnellen elektrischen Schwingungen” entdeckte Hertz, dass sich diese vom Schwingkreis lösen; am 13.11.1886 fand er die Übertragung seiner Wellen über einen Abstand von 1,5 m von einem primären auf einen sekundären Stromkreis. Damit hatte er Sender und Empfänger elektrischer Wellen konstruiert. Am 02.12.1886 gelang ihm die Resonanzabstimmung der beiden Kreise. Als Nachweis für die elektromagnetischen Schwingungen diente meist die optische Beobachtung von Funkenstrecken. Das führte ihn 1887 zur Entdeckung des lichtelektrischen Effekts (Photoeffekt), der später von Wilhelm Hallwachs, Lenard und Anderen genauer untersucht wurde.
In der Folge untersuchte Hertz die physikalische Natur der „Hertzschen Wellen” und zeigte ihre Reflexion (durch metallische Oberflächen), ihre Brechung (durch Prismen von Pech), ihre Transversalität und ihre Polarisation. Damit war erwiesen, dass die elektromagnetischen Wellen physikalisch den Lichtwellen entsprechen und sich von diesen nur durch die Wellenlänge unterscheiden.
Die Bedeutung seiner Entdeckung sah Hertz im Beweis der Maxwellschen Theorie: „Durch die Gesamtheit der geschilderten Versuche ist zum ersten Male der Beweis geliefert worden für die zeitliche Ausbreitung einer vermeintlichen Fernkraft. Diese Tatsache bildet den philosophischen, in gewissem Sinne zugleich den wichtigsten Gewinn der Versuche.” Die Möglichkeit einer technischen Anwendung, zum Beispiel für die heraufkommende Rundfunktechnik, hat Hertz nicht gesehen.
Hertz wurde 1889 als Nachfolger von Rudolf Clausius Professor für Physik in Bonn. Hier widmete er sich mehr theoretischen Problemen. 1890 gab er eine knappe und klare Darstellung der Elektrodynamik in der Arbeit „Über die Grundgleichungen der Elektrodynamik für ruhende Körper”, die für den endgültigen Sieg der Maxwellschen Theorie, jedenfalls in Deutschland, entscheidend war. Fortan war die Maxwellsche Theorie das System der von Heinrich Hertz angegebenen Gleichungen. Das Problem der „Elektrodynamik für bewegte Körper” konnte Hertz (1890) noch nicht lösen. Die Hertzsche Mechanik – unter vollständigem Verzicht auf den Kraftbegriff aufgebaut – faszinierte als logisches System, zu irgendwelcher fruchtbaren Anwendung ist sie aber nicht gekommen. Die „außerordentliche, schöne und schön geschriebene” (Sommerfeld) Einleitung zu seinen „Prinzipien der Mechanik” behandelt vorwiegend die erkenntnistheoretischen Grundlagen der Physik und wird noch heute viel zitiert.
Quelle: Armin Hermann 'Lexikon - Geschichte der Physik A-Z', Aulis-Verlag Deubner & Co KG 1978