Carl Friedrich Gauß wurde 1777 in Braunschweig geboren und starb 1855 in Göttingen. Wegen seiner auffälligen Begabung wurde er vom Braunschweiger Herzog schon früh gefördert. Er studierte in Braunschweig und Göttingen, 1799 promovierte er in Helmstedt. Danach privatisierte er in Braunschweig. 1805 heiratete er Johanna Osthoff (1780-1809). Aus dieser Ehe gingen der Sohn Joseph (1806-1873) und die Tochter Minna (1808-1840, heiratete den Orientalisten Ewald) hervor. 1807 wurde Gauß Professor der Astronomie und Direktor der Sternwarte in Göttingen. Nach dem Tode der ersten Frau heiratete er 1810 Minna Waldeck (1788-1831). Aus dieser Ehe stammen die Söhne Eugen (1811-1896) und Wilhelm (1813-1879) und sowie die Tochter Therese (1816-1864, heiratete nach dem Tode des Vaters den Schauspieler Staufenau). Eugen und Wilhelm bereiteten dem Vater viel Sorgen und Ärger. Gauß erhielt mehrere ehrenvolle Rufe an andere Universitäten, blieb aber bis zu seinem Tode in Göttingen.
Gauß leistete bahnbrechende Arbeiten auf den Gebieten Mathematik, Astronomie, Geodäsie und Physik. Es ist unmöglich, die Arbeiten von Gauß und die Literatur über ihn in einer Kurzbiografie zu würdigen. Wir müssen uns auf einige Stichworte und Verweise auf die wichtigste Sekundärliteratur beschränken. Es zeichnen sich vier Epochen ab, in denen er sich bestimmten Gebieten besonders zuwandte:
1) 1800-1820: Mathematik und Astronomie.
2) 1820-1830: Geodäsie.
3) 1830-1840: Physik, vor allem Erdmagnetismus.
4) 1840-1855: Nichteuklidische Geometrie und Versicherungsmathematik.
In die erste Epoche fallen die wichtigsten mathematischen Arbeiten von Gauß zur Zahlentheorie (Disquisitiones Arithmeticae, 1801) und zum Fundamentalsatz der Algebra. Für uns Heutige ist schwer vorstellbar, dass erst seit dieser Zeit der Gebrauch der komplexen Zahlen und ihre Darstellung in der „Gaußschen Zahlenebene” bei Mathematikern und Physikern üblich wurde. In der ersten Epoche gelang auch die Wiederauffindung des Planetoiden Ceres auf Grund Gaußscher Berechnungen (1801). Hierdurch wurde Gauß schlagartig berühmt. Die neue Rechenmethode, eingebettet in eine umfassende Theorie, beschrieb er in seiner Arbeit „Theoria motus corporum coelestium ...”(1809).
Die zweite Epoche wurde durch die Hannoversche Landesvermessung und damit einhergehend durch theoretische Arbeiten zur Geodäsie und Differentialgeometrie beherrscht.
Die dritte Epoche galt den erdmagnetischen Untersuchungen. Wesentlich unterstützt wurde Gauß dabei von A. von Humboldt und Wilhelm Weber. Als „spinn-off” dieser Arbeiten erhielt die Menschheit Maßeinheiten für Elektrizität und Magnetismus, die Potenzialtheorie und einen Anstoß zur Entwicklung des Telegrafen. Andere Arbeiten von Gauß zur Physik befassten sich mit Optik und Kapilaritätstheorie.
In die vierte Epoche fiel Gauß' intensivere Beschäftigung mit der Nichteuklidischen Geometrie, über die er aber nichts veröffentlichte, und die Sanierung der Witwen- und Waisenkasse der Göttinger Universität.