Die berühmte Mathematikerfamilie Bernoulli aus der Schweiz verlieh der Universität Basel über ein Jahrhundert lang Glanz durch hervorragende Mathematiker und Physiker. Daniel I. Bernoulli, sein Vater Johann I. sowie dessen Bruder Jacob I., beide zu den größten Mathematikern ihrer Zeit gehörend, bildeten ein einzigartiges Dreigestirn. Obwohl von seinem Vater ursprünglich zum Kaufmann bestimmt, erwachte auch in Daniel die Liebe zur Mathematik. Er studierte dann aber – wie ehemals sein Vater – Medizin, beschäftigte sich nebenher jedoch ständig mit der Mathematik, in der er auch erste wissenschaftliche Anerkennung fand.
1725 folgte Daniel Bernoulli einem Ruf als Professor der Mathematik an die damals neugegründete Petersburger Akademie. Erst 1733 kehrte er aus gesundheitlichen Gründen nach Basel zurück, wo er die Professur für Anatomie und Botanik und später – nach dem Tode seines Vaters – die für Physik erhielt (1750). Neben der Physiologie (Berechnung der Herzarbeit) förderte Daniel Bernoulli die Wahrscheinlichkeitsrechnung, die Statistik und vor allem die mathematische Physik. Ihm gelang es als erstem, das Prinzip der „vis viva” – der so genannten lebendigen Kraft – richtig auf kontinuierliche Medien anzuwenden. Erstaunlich modern ist seine kinetische Theorie der Gase. Sie nahm bereits vorweg, was erst im 19. Jahrhundert bei der Entwicklung der mechanischen Wärmetheorie nachvollzogen wurde.
Jacob Bernouilli war Professor an der Universität Basel und schrieb die „Ars conjectandi”, die unter Anderem Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung, die Bernoullischen Zahlen und das Gesetz der großen Zahlen enthält.
Johann Bernouilli, 1667 in Basel geboren und dort 1748 auch gestorben, lebte mit seinem Bruder Jacob stets in mathematischer Fehde. Beide waren aber Mitstreiter von Leibniz bei der Einführung der Infinitesimalrechnung und beide waren Gegner Newtons. 1695 wurde Johann Professor in Groningen und 1705 nach dem Tode Jacobs dessen Nachfolger in Basel. Als auch Leibniz und Newton gestorben waren, galt er als der führende Mathematiker Europas. Seine mathematischen Arbeiten zeichneten sich durch formale Gewandtheit und Eleganz aus. Johann vollbrachte u.a. die erste systematische Darstellung der Differential- und Integralrechnung und untersuchte geometrische Extremalprobleme. Der bedeutendste Schüler Johanns war Leonhard Euler.
Quelle: Armin Hermann 'Lexikon - Geschichte der Physik A-Z', Aulis-Verlag Deubner & Co KG 1978