Eine Kommunikationsverbindung arbeitet meist – so auch bei ISDN – im
Vollduplexbetrieb, das heißt, die beiden Kommunikationspartner senden kontinuierlich und unabhängig voneinander. Um diese Betriebsart zu gewährleisten, sind zwei Varianten möglich, die in der Grafik dargestellt sind. Die Sende– und Empfangseinrichtung beim Kunden (Teilnehmer A) wird als Network Termination (NT) bezeichnet, die entsprechende Gegenstelle in der Ortsvermittlungsstelle heißt Line Termination (LT).
Es gibt zwei Möglichkeiten für einen solchen Vollduplexbetrieb:
Man kann die Kommunikation von A → B und die Gegenrichtung von B → A über getrennte Leitungen realisieren. Diese nicht unbedingt ökonomische Vierdrahtübertragung wird bei ISDN im Hausanschlussbereich – dem sogenannen
S0–Bus– angewendet, wobei für jede Richtung eine Doppelader zur Verfügung gestellt wird.
Ökonomischer ist die gemeinsame Nutzung einer Doppelader für beide Richtungen – also die so genannte Zweidrahtübertragung. Diese wird bei ISDN im Zugangsnetz – auf dem so genannten
UK0–Bus– angewendet. Da für beide Richtungen der gleiche Frequenzbereich benutzt wird, spricht man auch vom Zweidraht–Frequenzgleichlageverfahren.
Bei der Vierdrahtübertragung kann es über die ersten Meter der Leitung durch induktive oder kapazitive Kopplungen zu Nahnebensprechen (siehe vorherige Seite) kommen, das heißt, der Sender stört den eigenen Empfänger.
Bei der Zweidrahtvariante ist die interne Reflexion des Sendesignals in den (eigenen) Empfänger die dominante Störungsursache, die bei schmalbandigen Sendesignalen (beispielsweise Sprache) durch eineGabelschaltungvermieden oder zumindest vermindert werden kann. Bei Breitbandsignalen sind zusätzlich aufwändige adaptive Verfahren zur Echokompensation erforderlich.